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Integratives Stapler-Projekt gemeinsam realisiert

Arbeitgeber, Berufsgenossenschaft und PARAVAN ermöglichen für Torsten Krohn einen neuen Arbeitsplatz, Dank behindertengerecht umgebautem Gabelstapler.

Pfronstetten-Aichelau: Torsten Krohn war die Freude sichtlich anzumerken, als er sein neues Arbeitsgerät - einen Linde Gabelstapler E 25 - zum ersten Mal in Augenschein nehmen konnte. Es war ein langer Weg für den 49-jährigen Sachsen, der vor 28 Jahren auf dem Weg zur Arbeit seinen rechten Arm bei einem Motorradunfall verloren hat, bis zu diesem Moment im Mobilitätspark der Firma PARAVAN im schwäbischen Aichelau. 

Seit 2013 ist Torsten Krohn bei der Firma Maja Möbelwerk GmbH in Wittichenau als Kehrmaschinenfahrer tätig. Ein Job, der dem passionierten Hobby-Tüftler viel Spaß macht. 2020 wird seine Stelle allerdings aufgrund von Umstrukturierungen im Unternehmen outgesourced. Krohn droht die Arbeitslosigkeit. Doch Arbeitgeber und Berufsgenossenschaft setzen sich dafür ein, Torsten Krohn eine neue Stelle als Staplerfahrer im Unternehmen freizuhalten. Doch wie soll Krohn mit nur einem Arm einen komplexen Gabelstapler bedienen? Schließlich muss neben der Fahrzeugsteuerung mit Gas, Bremse und Lenkung auch die Gabel und der Gabelarm bedient werden. Mit nur einem Arm eine echte Herausforderung.

Die Suche nach einem geeigneten Umbaupartner beginnt und bleibt zunächst erfolglos. Über seinen regionalen Betreuer der Berufsgenossenschaft Thorsten Junkers kommt die Lösung. „Ich kenne da vielleicht Jemanden, der uns bei dem Projekt helfen kann“, meint der BG-Berater, der Dietmar Bendinger kontaktiert, Niederlassungsleiter der PARAVAN GmbH in Heidelberg und schildert den Fall. Bendinger setzt sich ins Auto und fährt direkt nach Wittichenau, um sich persönlich ein Bild von dem Fall zu machen. Bei einem gemeinsamen Termin mit allen Beteiligten rückt die Lösung in greifbare Nähe: „Wir müssen die Funktion des fehlenden rechten Arms technisch ausgleichen, in dem wir die Lenkung des Staplers über das Joysticklenksystem Space Drive kompensieren“, wird dem erfahrenen PARAVAN-Mobilitätstüftler schnell klar. „Zudem müssen wir sämtliche Bedienfunktionen der Gabel von rechts nach links umbauen.“
Die nächsten Schritte werden eingeleitet: Ein passender Linde Gabelstapler wird bestellt, ein Umbauangebot der PARAVAN GmbH erstellt und von der Berufsgenossenschaft genehmigt. Doch das Projekt verzögert sich erneut, da der gewünschte Stapler aufgrund der Corona-Pandemie nicht zeitnah lieferbar ist. Weitere Monate vergehen, bis der Stapler endlich beim Umrüstexperten der PARAVAN GmbH in Pfronstetten-Aichelau im Juni 2021 eintrifft.

Der Umbau kann beginnen: Die konventionelle Lenkung des Staplers wird ausgebaut, das Steer-by-Wire System Space Drive eingebaut. Statt mit Lenkrad wird jetzt über einen speziell angepassten Joystick gelenkt. Sämtliche Bedienfunktionen der Gabel werden in Kooperation mit Hersteller Linde von der rechten Staplerseite auf die Linke verlegt. Zudem wird ein 360-Grad- Kamerasystem mit Monitor im Führerhaus installiert, damit Krohn stets sein Umfeld optimal im Blick hat. 

Nach fast anderthalb Jahren Projektdauer ist der Moment gekommen und Torsten Krohn kann zum ersten Mal auf seinem individuell angepassten Arbeitsgerät Platz nehmen. Doch die erste Freude wird schnell gedämpft: Aufgrund von Phantomschmerzen im amputierten rechten Arm, ist die geplante Bedienung des Joysticks mit dieser Schulter nicht möglich. „Das halte ich körperlich so auf Dauer keine sechs Stunden täglich auf Arbeit aus,“ erklärt Krohn den Technikern.

Gemeinsam wird mit Techniker Norbert Hain und Dietmar Bendinger eine Lösung gefunden. Statt mit der rechten Schulter schlägt Torsten Krohn vor, dass man die Space Drive Lenkung mit dem linken Oberschenkel über links-rechts Bewegungen steuern könnte. Der Joystick wird verlegt, unterhalb des Sitzes neu angebracht und mit einem passenden Aufnahmebügel versehen. Es funktioniert! 

Im nächsten Schritt lernt Krohn den Stapler sicher zu fahren und zu bedienen. Paletten werden übereinandergestapelt, Hütchen umrundet und Gitterboxen im Hochregallager abgestellt. Der Fahrlehrer ist von Krohns Fahrkünsten beeindruckt: „Torsten macht das wirklich sehr gut. Ein echtes Naturtalent auf dem Stapler und das trotz der neuen und ungewohnten Lenkung,“ sagt Ralf Buhmann, Leiter der PARAVAN-Fahrschule am Standort Aichelau. Nach einer Woche Training kann der Fahrlehrer seinem Schützling den begehrten „gelben“ Staplerschein überreichen. Prüfung erfolgreich bestanden!
„Ich bin einfach nur happy. Was die Jungs hier bei PARAVAN möglich gemacht haben ist total beeindruckend. Alles wurde exakt auf mich und meine Bedürfnisse angepasst und das Space Drive System setzt das um, was ich im Kopf denke. Eine perfekte Symbiose. Jetzt kann ich in meiner Firma wieder loslegen“, freut sich Krohn.

Zu den letzten Tests mit dem umgebauten Stapler treffen alle Projektbeteiligten in Aichelau noch einmal zusammen. Dietmar Bendinger, der Vertreter der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BGRCI) Tobias Meurer und Thomas Euchner, Sicherheitsbeauftragter der Maja Möbelwerk GmbH, nehmen den Umbau in Augenschein und zeigen sich zufrieden mit dem Projekt. „Es hat etwas gedauert, aber das Ergebnis zeigt, was in Sachen Inklusion alles möglich ist. Doch wenn Betrieb, Kostenträger und Umrüstprofi eng und ergebnisorientiert zusammenarbeiten. Wir sind stolz darauf, mit diesem Umbauprojekt eine erfolgreiche Wiedereingliederung in unseren Betrieb ermöglicht zu haben“, sagt Thomas Euchner.

Neben der Anpassung kam Torsten Krohn auch nach Pfronstetten Aichelau, um bei PARAVAN-Fahrlehrer Ralf Buhmann den Staplerschein zu machen. Foto: PARAVAN
Das neue Cockpit von torsten Krohns Gabelstapler hat kein Lenkrad mehr. Dafür einen Joystick, den er mit dem linken Oberschenkel bedient. Auch die Staplerbedienung wurde auf die linke Seite verlegt. Foto: PARAVAN
Lenken wird Torsten Krohn seinen Stapler mit diesem Joystick, nicht mit dem Arm, sondern durch Rechts- Linksbewegungen mit dem linken Oberschenkel. Foto PARAVAN
Bei der Staplerfahrschule auf dem Hof des Mobilitätsparks Aichelau war Geschick gefragt. Neben dem Einstapeln von Paletten in Regalen musste Torsten Krohn auch um die Pylonen fahren können. Foto: PARAVAN
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Pressemitteilung
Integratives Stapler-Projekt

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Anke Leuschke

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